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Die Schweiz ist vielleicht das am wenigsten bekannte Weinland Westeuropas. Seit langer Zeit wird hier Wein hergestellt. Sogar guter Wein. Aus wunderschönen Weinbergen und oft aus einzigartigen Rebsorten. Und doch ist der Schweizer Wein in unseren Regionen kaum bekannt. Der Grund ist einfach. Knapp ein Prozent des Schweizer Weines passiert die Grenze. Die Schweizer haben Durst, sie trinken alles selbst. Ein Grund mehr, den Schweizer Wein zu entdecken, denn dieses Land birgt noch viele schöne Weingeheimnisse.

Traditionell trinken die Schweizer fast den gesamten im Land produzierten Wein selbst. Das Interesse der Winzer, ihre Weine zu exportieren, ist gering, es fehlt schlicht der Bedarf. Tatsächlich importieren die Schweizer fast die Hälfte ihres Bedarfs, da die nationale Produktion nicht ausreicht, um den nationalen Durst zu stillen. Und wenn doch einmal eine Flasche über die Grenze gelangt, ist sie oft ziemlich teuer. Wie das in der wohlhabenden Schweiz oft der Fall ist. Das liegt an den hohen Grundstückspreisen und den sehr arbeitsintensiven, steilen Weinbergen. Die Schweizer Winzer wissen, dass sie keinen billigen Wein produzieren können, selbst wenn sie es wollten. Deshalb liegt der Fokus stark auf Weinen mit einer Geschichte, hoher Qualität und einem ähnlichen Preis.
Das ist schade – für uns – denn in der Schweiz gibt es viel Schönes zu entdecken. Hier wachsen ca. 200 (!) verschiedene Rebsorten. Viele davon gibt es nur in der Schweiz. Sie gedeihen in den steilen Weinbergen entlang des in der Schweiz entspringenden Rheins und insbesondere entlang der Rhône. Einige der Schweizer Weinberge gehören zu den höchstgelegenen in Europa. Dabei handelt es sich um Weinbaugebiete mit viel Sonneneinstrahlung und einem ganz besonderen Terroir, das sich hervorragend für den Weinanbau eignet. Zutaten für hochwertige Weine.
Etwa 80 Prozent der Weine werden im Westen des Landes hergestellt, insbesondere im Wallis (zu Deutsch: Wallis), in der Waadt und rund um den Genfersee. Die Weinberge liegen auf der Nordseite der Rhône mit nach Süden ausgerichteten Hängen. Im Süden der Schweiz, nahe der Grenze zu Italien, liegt das Tessin, gemessen am Produktionsvolumen die viertgrösste Region des Landes. Im Norden und Osten finden Sie weniger prominente Weinregionen wie den Thurgau, Aargau, Basel, Neuenburg und Zürich.
Die Schweizer trinken lieber Rot als Weißwein. Deshalb ist in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Weinberge mit blauen Trauben auf Kosten des Weißweins gewachsen. Die wichtigste Rebsorte für Rotweine ist der Pinot Noir, der hier auch oft Blauburgunder genannt wird. Auch die Schweizer lieben Gamay. Im südlichen Tessin ist Merlot der lokale blaue Star. Und dann gibt es noch eine Reihe lokaler Sorten wie Humagne Rouge (Cornalin) und Bondola sowie sogenannte Hybridsorten wie Gamaret, Garanoir, Diolinoir und Carminoir.
Für Weissweine ist in der Schweiz die Traube Fendant – auch Chasselas oder Gutedel genannt – von Bedeutung. Normalerweise bringt diese Rebsorte, die man auch im französischen Savoyen und beispielsweise in Deutschland unter dem Pseudonym Gutedel findet, recht neutrale Weinberge hervor. In der Schweiz gelingt es ihnen, einige besonders faszinierende Beispiele hervorzubringen, die alles andere als neutral auf Ihrer Geschmackspalette wirken. Lokale Sorten wie Petite Arvine, Amigne, Humagne Blanc, Completer, Païen, Räuschling, Elbing, Rèze und sogar Solaris.
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